Erfahrungsberichte

Exerzitien für Erwachsene



Je langsamer desto schneller - das Mehr im Leben entdecken!



Wir waren eine bunt gemischte Gruppe, die sich unter der Leitung von Pater Markus Thomm über die Kar- und Ostertage zum Schweigen und Meditieren traf. Schon in der Einladung wies uns Pater Markus darauf hin, am besten alles zuhause zu lassen, was die Entschleunigung hemmen könnte, so auch meine geliebten Bücher, für die zu lesen ich doch jetzt endlich mal Zeit gehabt hätte ... Nun gut, ich hielt mich daran und brachte vorwiegend mich selber mit. Wenn möglich sollten wir schon in Ruhe ankommen, denn: Leichter gelangt ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein gestresster Mensch in die Stille (P. Markus)
Unsere Erwartungen an dies Zeit der Stille und Einkehr waren ähnlich: Zur ruhe kommen, in die Tiefe gehen, zu verarbeiten, was sich in letzter Zeit so alles angesammelt hat, zu einer konkreten Entscheidung finden, sich selbst näher kommen ... Der Weg zu diesem Erkennen führt über das Schweigen und die Meditation. Ich bin bewusst da, möchte Gott meine Zeit schenken. Schenken macht reich! Ich warte auf das, was sich in mir regt. Ein äußerer Beobachter würde den Zustand eines Meditiereden wohl so bezeichnen: Er tut nichts!“ Und genau darauf kommt es an: Äußerlich nichts zu tun! Dafür spielt sich innerlich umso mehr ab.
Jeder Tag stand unter einem anderen Motto. Zunächst ging es darum, mein Leben zu atmen, Gottes Spuren in meinem Leben zu suchen. Der Gründonnerstag stand unter dem Ausdruck eines hörenden Herzens: Eie atmende Seele ist eine hörende Seele. Was willst du Gott mir heute sagen? Was ist eigentlich meine tiefste Sehnsucht? Was ist mein Lebensgefühl? Am Karfreitag durften wir uns bewusst auch unseren leidvollen Erfahrungen stellen. Doch Gott schenkt uns sein Herz und durch Jesus Christus Versöhnung. Wie sieht es mit meiner Versöhnung aus? Gott liebt mich nicht trotz, sondern gerade wegen meiner Fehler!
Die Beziehung, der Blickkontakt zu IHM stand am darauffolgenden Samstag im Mittelpunkt. Wer ist Jesus für mich? Wie würde ich ihn ansprechen? Jesus, mein Leben, mein Licht, mein Retter... Am Ostersonntag feierten wir die Auferstehung, den Neubeginn, der uns durch Christus geschenkt wurde.
Die Tage waren durchzogen von Yoga-Übungen am Morgen und zahlreichen Meditationsübungen, zu denen uns Pater Markus schrittweise und behutsam anleitete. Begegnungen mit den anderen wurden durch den schweigenden Umgang miteinander intensiver, lebendiger und feinfühliger. Hinterher stellten wir erstaunt fest: Vertrautheit hängt nicht von der Zahl der Worte ab, die man mit jemandem wechselt – das Wesentliche an uns lernen wir auf eine andere Art und Weise kennen und schätzen. Ich möchte den Gedanken sogar noch verschärfen: Nur im Schweigen kann ich mich selbst und einen anderen Menschen noch tiefer erkennen!
Fasziniert hat mich auch der Gedanke, Yoga mit unserem christlichen Glauben zu verbinden. Der Unterschied im bewussten Vollzug der Bewegungen zu anderen Religionen ist der, dass wir unsere Übungen auf einen personalen Gott ausrichten. Mein Gebet wird durch die Körperbewegungen viel tiefer und auch ganzheitlich: Es umfasst Geist, Körper und Seele in gleicher Weise. Eine beglückende, bereichernde Erfahrung in einer Welt des Verstandes!
In der Stille begegnen wir dem Zauber unserer Ahnungen.
Wir spüren mit dem Herzen.
Wir entdecken, dass wir einen weisen Kern in uns tragen, der uns zeigt, wie wir uns entscheiden sollen. Wir lauschen auf die Stimme Gottes in unserem Leben. Mirjam Schilling


Ihr habt Ohren um zu hören und Augen, um zu sehen.



Schritt für Schritt führte uns Pater Markus in die Kunst des Meditierens und des Körper-Gebets ein: den Körper wahrnehmen, den Geist zur Ruhe kommen lassen, die Körperhaltungen des Yoga zu einer inneren Gebetshaltung ausweiten, sich öffnen für die Gegenwart Gottes. ... Im der Stille wurden unsere Sinne sensibilisiert und wir erlebten den intensiven Kontakt zu den inneren Schichten unseres Seins. Gefühle und Gedanken bewegen uns eine Weile, wurden losgelassen und gewährten inneren Raum für Ruhe und Frieden. So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein“ – diese Lied wurde in einem Gottesdienst am Ende der Exerzitien angestimmt. Voller Freude konnte ich Gott danken, das er Trauer und Schmerz, Zweifel und Mutlosigkeit nach einer schweren Lebenserfahrung gewandelt hat. Das Wort Gottes war der Nährboden, auf dem Vertrauen, Zuversicht und Lebensfreude wieder wachsen konnten. Dazu haben auch die Abendgottesdienste und Tagesimpulse von Pater Markus beigetragen, die wir in der Stille nachkosten durften.
Wie wunderbar Gott alles geschaffen hat und in seinen Händen hält, das war für mich in diesen Tagen spürbar geworden. Wir nahmen uns in langen Spaziergängen Zeit, Gottes Schöpfung zu bestaunen und den Windhauch, den Flügelschlag und den Blütenduft, das Wolkenspiel, die Stimmung unserer Tischnachbarn in uns aufzunehmen. Von den Exerzitien profitiere ich noch heute, selbst wenn mich die Hektik in Ausbildung und Beruf zwischendurch immer wieder einfängt. Doch ich entscheide mich in der knappen Freizeit immer wieder bewusst für die Stille und die Begegnung mit Jesus Christus. Meditation und Yoga helfen mir dabei, meine Aufmerksamkeit auf das Gebet auszurichten und mich beschenken zu lassen. Auch Euch wünsche ich den Mut, das Wagnis der Stille einmal einzugehen, das Gras „wachsen zu hören“ und das Reich Gottes in eurem Leben zu schauen.
Halte einmal inne und Du spürst umso deutlicher, was der Mensch neben Dir gerade braucht und Du erahnst, was Gott mit Deinem Leben noch vorhat! Melanie Hewener


Wie eine zarte Knospe wurde unser Inneres von Gottes Geist angerührt



Es hat mich sehr berührt, zu sehen, wie da so völlig verschiedene Menschen aus den verschiedensten Motiven zu einem den meisten wohl unbekannten Ort und einem wahrscheinlich den meisten unbekannten Exerzitienleiter gekommen sind und manche wohl auch noch nie mit Kontemplation in nähere Berührung gekommen, so weit ich das mitbekommen habe, also zu sehen, wie aus diesen Menschen eine Gruppe entstanden ist, wie bei jedem auf seine Weise wie eine zarte Knospe das Innere von Geist Gottes angerührt wurde, wie dieser kontemplative Weg so rasch den Menschen anrührt, was für intensive Prozesse in diesen wenigen Tagen ausgelöst wurden. . In Gries ist das irgendwie "selbstverständlich", das nehme ich immer mit dem gleichen ehrfürchtigen Staunen wahr, es ist mir aber noch nie so nahe gegangen, wie in diesem Kurs.
Du hast sehr langsam und sehr vorsichtig und sanft Schritt für Schritt vom Lärm des Alltags, vom Wahrnehmen der eigenen Empfindung, vom Formulieren des eigenen Befindenszustandes, vom Gegenständlichen ins "Ungegenständliche", nicht mehr verbal erklärbare geführt, bis bei allen die inneren Saiten zum Schwingen gekommen waren, und so konnte sich jeder auf seine Weise darauf einlassen und kostbare Erfahrungen mit nach Hause nehmen. Zunächst mit dem Labyrinth, mit den Bildern, mit dem Formulieren von Gefühlen, dann parallel im Wahrnehmen der Natur wurden uns Tag für Tag die Augen mehr geöffnet.
So wurde die Stille immer intensiver, die Natur draußen immer transparenter und berührender, während wir Schrittt für Schritt in den Stufenweg der Meditation hineingenommen wurden. Die Erfahrungen draußen in der Natur unterstützten unseren inneren Weg in der Kapelle, der umgekehrt das Wahrnehmen in der Natur veränderte.
Auch für mich, die sich ja schon lange um diesem Weg weiß, gab es immer wieder Punkte, auf die aufmerksam gemacht wurde, die ein "aha" bei mir haben klingen lassen.
Bei P. Markus spürt man sehr, wie er in dieser Wirklichkeit des kontemplativen Weges LEBT und so mit einer Zartheit, Wachheit und Feinfühligkeit in die Realität der Wirklichkeit Schritt für Schritt einführt.
So konnte man beim Angeleitet-Werden gut diese ganz feinen Nuancen des immer tiefer Gehens wahrnehmen.
Tag um Tag konnten wir intensiver und feiner diese ganz zarte, zerbrechliche, alles durchstrahlende, liebende Wirklichkeit Gottes in der Natur, bei dem alltäglichen Tun, und in der Einheit von all diesem in der Tiefe der Meditation spüren.
(...) das Antworten, auf das, was in den Blitzlichtrunden gesagt wurde, war nie manipulativ, sondern aus einer inneren Schau heraus, leicht, wie eine Feder, wie wenn man ganz sanft ein Schiffchen mit einem Finger anstubst und es mühelos seinen Kurs fast unmerklich ändert.
Und Pater Markus hat die Erfahrungen immer positiv formuliert, Dinge positiv verstärkt. Dieser achtsame Umgang mit jedem Teilnemher macht sehr viel Mut und trägt.